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Hoendiep (Juni 2020)

Bei unserer letzten Tour waren wir auf einem kleinen Kanal unterwegs, der uns sehr gut gefallen hatte. Den steuern wir jetzt wieder an, diesmal aber in einer anderen Richtung. Ein Kajakanleger und Fahrrad-Pausenstation bietet uns Start- und Endpunkt. Hier gibt es direkt die ersten Schwalben zu entdecken, die unter einer kleinen Brücke auf ihren Nestern auf der zweiten Brut sitzen. Die erste Brut ist bereits flügge und präsentiert ihre Flugkünste. Auf einem Reetdach tummeln sich unzählige Schwalben und überall auf dem Wasser und im Schilf sind Jungvögel unterwegs.

Plötzlich sehe ich vor mir im Wasser einen roten Punkt. Erst denke ich an irgendein Plastik-Teil, Müll, der auf dem Wasser treibt, aber der Punkt bewegt sich gegen die Strömung. Beim Näherkommen erkenne ich einen Maulwurf, der um sein Leben schwimmt und dem es nicht gelingt, die Uferkante zu erklimmen. Per Funk rufe ich meinen Mann zurück, der schon ein Stück weitergefahren war. Mit seinem Kescher fischt er den Maulwurf aus dem Wasser und setzt ihn am Ufer ins hohe Gras. Spaßeshalber überlässt mein Mann mir einen kleinen Kescher, den er dabei hat, mit den Worten „Wer weiß, was Du heute noch aus dem Wasser fischen willst.“

Ein kurzes Stück unserer Tour kreuzt den Van Starkenborghkanaal, auf dem große Containerschiffe unterwegs sind, bevor wir unter einer Brücke hindurch fahren und in eine andere Welt eintauchen, ein bisschen wie die Tür zu Alices Wunderland. Auf diesem Abschnitt tummeln sich unglaublich viele Schilfvögel, Haubentaucher und Libellen und auch unterhalb der Wasseroberfläche tobt das Leben. Eine wunderschöne Strecke! Irgendwann kommen wir wieder auf den Van Starkenborghkanaal und treffen dort eine Entenmutter, die mit ihren Küken in entgegengesetzter Richtung unterwegs ist. Ein Stück weiter treibt ein Entenküken sichtlich entkräftet auf dem Wasser. Der Größe nach zu urteilen, würde es zu der Entenfamilie, die uns gerade begegnet war, passen. Eine andere Entenfamilie ist nicht in Sicht. Zum Glück habe ich ja den Kescher und kann damit das Küken aus dem Wasser fischen und zu mir ins Kajak holen. Nur: was mache ich jetzt mit dem Kleinen? Zunächst einmal: am Oberkörper einkuscheln, damit es trocknet und warm wird. Das scheint ihm zu gefallen. Vorsichtig fahre ich weiter. Während ich schon in Gedanken durchgehe, wer in meinem Umfeld (Lauf-)Enten hält und vielleicht als Pflegefamilie in Frage kommen könnte, sehe ich eine Entenfamilie mit Küken etwa in der Größe von „meinem“ Kleinen. Vorsichtig gleite ich mit dem Kajak näher an die Entenfamilie heran und halte auf gut Glück das Küken auf der Hand direkt über die Wasseroberfläche. Es fiebt – die Entenfamilie antwortet. Wie der Blitz hüpft das Kleine von meiner Hand ins Wasser und flitzt zu seiner Familie. War das wirklich „seine“ Familie oder „adoptieren“ Enten spontan auch Küken aus anderen Familien? Keine Ahnung, Hauptsache es hatte wieder Anschluss unter seinen Artgenossen.

Zurück am Anleger ziehen die Schwalben immer noch ihre Bahnen direkt über der Wasseroberfläche. Ein tolles Schauspiel! Und eine wirklich schöne – und etwas verrückte – Tour!